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HISTORIE

 

 

Die Anfänge der deutschen Feuerwehrverbände

Die wesentlichen Wurzeln des freiwilligen Feuerwehrwesens in Deutschland sind zweifellos in der Turnerbewegung und im aufstrebenden Bürgertum zu suchen. Das soll aber nicht heißen, dass es zuvor keine Feuerlöscheinrichtungen gab. Vielmehr gehörte das Feuerlöschen seit dem frühen Mittelalter zur Pflichtaufgabe der Handwerkerzünfte. Mit dem allmählichen Zerfall der Zünfte verlor naturgemäß das zunftgebundene Löschwesen erheblich an Wirksamkeit. Dem zunftgebundenen folgten in einer Vielzahl deutscher Orte Feuerlöschanstalten auf kommunaler Basis.


In dem von der Kleinstaaterei geprägten Deutschland waren die regionalen Unterschiede hinsichtlich der Schlagkraft der Löschanstalten selbstredend beträchtlich. Im Grunde genommen handelte es sich bei den kommunalen Löschanstalten in der Regel um verpflichtete Löschmannschaften, deren Einsatzfreudigkeit durch ein mehr oder minder hoch festgelegtes Handgeld gesteigert werden sollte. Aber letztere hatten mit den aus der Turnerbewegung hervorgegangenen freiwilligen Feuerwehren nichts gemein und ließen im allgemeinen hinsichtlich der Einsatzbereitschaft und der Wirksamkeit erheblich zu wünschen übrig. Der Organisator und spätere Chef der ersten deutschen Berufsfeuerwehr (Berlin 1851) Ludwig Scabell, bezeichnete beispielsweise die Berliner Löschanstalten als eine „wilde zuchtlose Masse, die an der Brandstelle nur das tat, was ihr gut dünkte" oder dem Feuer in weitem Bogen aus dem Wege ging!


Die Ursachen für die gleichgültige Haltung eines großen Teils der Bevölkerung sind sicherlich in den erstarrten absolutistischen Herrschaftsformen in den meisten deutschen Staaten zu suchen. Erst die breite demokratische Volksbewegung, die sich in ihren Grundzügen bereits vor bzw. während der Befreiungskriege (1813-1815) herausbildete, ebnete den Weg für ein verbessertes, wesentlich wirksameres Löschwesen auf gänzlich freiwilliger Basis. Die Turnerbewegung muss als ein Teil des Widerstandes gegen die napoleonische Unterdrückung betrachtet werden. Praktisch das gesamte Territorium des untergegangenen Ersten Reiches stand unter dem Einfluss des korsischen Imperators. Die linksrheinischen Gebiete hatte Napoleon in sein Reich eingegliedert, die Rheinbundstaaten (darunter auch das Kurfürstentum Sachsen) zu seinen Vasallen gemacht sowie Preußen und Österreich nach deren Niederlage Bündnisse aufdiktiert.


Mit dem Ziel der körperlichen und somit auch der Wehrertüchtigung, der Förderung nationalen Gedankenguts und der Festigung des Charakters richtete Friedrich Ludwig Jahn 1811 auf der Berliner Hasenheide einen Turnplatz ein. In den für alle Bevölkerungsschichten (Stände) offenen Turnvereinen schlössen sich demokratisch gesinnte und fortschrittlich denkende Männer zusammen, die auch die Vision eines einheitlichen Deutschland hatten. Die Turnerbewegung hatte einen großen Anteil am Ergebnis der Befreiungskriege. Viele Turner nahmen als Freiwillige am Kampf gegen die französischen Invasionstruppen teil.


Der Begründer der Turnbewegung, „Turnvater" Friedrich Ludwig Jahn, kämpfte selbst als freiwilliger Jäger im legendären Freikorps des Majors Adolf von Lützow. Es ist bezeichnend für den Geist dieser Freiwilligentruppe, dass sie nicht auf den jeweiligen Landesherren, sondern auf das „Vaterland" vereidigt wurde. Auch der spätere Hauptmann des 1841 gegründeten Meißener „Freiwilligen Löschund Rettungscorps", Seifensiedermeister Kentzsch, hatte als Freiwilliger bei den Lützowern gekämpft. Dies ist umso bemerkenswerter, da Sachsen bis zur Völkerschlacht bei Leipzig auf der Seite Napoleons stand.


Von den hochmotivierten Turnern - nicht von den um das Gemeinwohl ihrer Untertanen besorgten „Landesvätern" - ging vielfach der Gedanke aus, Lösch- und Rettungsdienste auf ausschließlich freiwilliger Basis zu 1841), „Pompier-Corps" (Süddeutschland, z.B. Durlach 1846) und „Turner- Feuerwehren".
In der Revolution von 1848/49 spielten die Turner nicht nur im südwestdeutschen, sondern auch im sächsischen Raum eine aktive Rolle. So marschierte die Chemnitzer Turnerwehr auf Anforderung der provisorischen Regierung nach Dresden. Im Barrikadenkampf gegen die von der regulären sächsischen Regierung zu Hilfe gerufenen preußischen Truppen fiel auch der Bruder des späteren Vorsitzenden des Landesverbandes Sächsischer Feuerwehren Lothar Weigand, der Turnlehrer Hermann Weigand.

Auf Dauer konnten sich auch die reaktionärsten Gemeinde- und Stadtverwaltungen dem auf eine völlig andere Basis gestellten Feuerlöschwesen nicht verschließen und erkannten letztendlich sogar dessen Nützlichkeit. In der Regel stand man Gründungen von freiwilligen Feuerwehren nun nicht mehr ablehnend, sondern eher wohlwollend gegenüber, auch wenn man sie nicht gerade unterstützte. In einer ganzen Reihe von Orten bestanden neben den freiwilligen Feuerwehren die kommunalen Löschanstalten geraume Zeit weiter, bis sie entweder mit diesen verschmolzen oder sich auflösten.

Den Gedanken des freiwilligen Feuerwehrwesens hat in besonderer Weise der Kommandant der Ulmer Feuerwehr und spätere Gerätefabrikant, Conrad Dietrich Magirus, gefördert und verbreitet. Für den 10. Juli 1853 lud C. D. Magirus die Kommandanten der freiwilligen Feuerwehren Württembergs zu einer Versammlung nach Plochingen ein. Zu diesem Zeitpunkt gab es in ganz Deutschland gerade einmal 35 Feuerwehren, wovon zehn auf Württemberg entfielen. An der Plochinger Tagung nahmen alle zehn Vertreter Württembergs teil. Magirus ging es bei dieser Zusammenkunft in erster Linie um technische und organisatorische Fragen. Außerdem regte er die Bildung von Feuerwehrverbänden an und sprach sich weiterhin für die regelmäßige Durchführung von Deutschen und von Landes- Feuerwehrtagen aus.
Am 3. September 1854 versammelten sich in Ulm bereits die Abordnungen von 20 deutschen Feuerwehren. Seither zählt diese Feuerwehrtagung als 1. Deutscher Feuerwehrtag.

Der 5. Deutsche Feuerwehrtag, der 1862 in Augsburg stattfand, sah bereits die Vertreter von 135 Feuerwehren. Von diesem Feuerwehrtag erging schließlich der Aufruf zur Gründung von Landesfeuerwehrverbänden. Einige der ersten Verbände waren:

  • 1863 Württemberg

  • 1867 Hessen

  • 1868 Bayern, Pfalz, Niedersachsen, Thüringen

  • 1869 Sachsen.

 

Später wuchs die Zahl der Landesverbände auf 16 an. 1930 gehörten dem Deutschen Feuerwehrverband (von 1904 bis 1928 lautete die Bezeichnung „Reichs-Feuerwehrverband") 33.910 Wehren mit einem Personalbestand von 1.786.384 Mann an. Allerdings muss angemerkt werden, dass zu diesem Zeitpunkt der Österreichische Reichsverband für Feuerwehr- und Rettungswesen zum DFV gehörte.

 

Die Entstehung des Landesverbandes Sächsischer Feuerwehren

In Sachsen geht die Bildung eines Verbandes auf das Jahr 1863 zurück. Anlässlich der 1. Versammlung sächsischer Feuerwehren konstituierte sich der Landesausschuss Sächsischer Feuerwehren in Glauchau. Seither wird in der Literatur die Glauchauer Zusammenkunft als 1. Sächsischer Feuerwehrtag angegeben, obwohl es sich korrekterweise um die l. Gründungsvorversammlung zu einem Landesverband handelte. Allerdings erst bei der 3. Versammlung, die 1869 in Chemnitz stattfand, beschlossen die Vertreter von 86 Feuerwehren die Gründung eines Landesverbandes.
In zahlreichen Veröffentlichungen zur Feuerwehrgeschichte wird die Bildung des Landesausschusses als Gründungsdatum des sächsischen Landesverbandes gedeutet. Selbst das Verbandsorgan „Die Feuerspritze" gestaltete 1888 irrtümlich eine Jubiläumsausgabe zur Würdigung des 25. Gründungstages des Verbandes.


Der Vorsitzende des Leipziger Bezirksverbandes und Schriftleiter des „Zentralblattes für Feuerschutz", Frank, schreibt in seiner Festrede zum 60jährigen Bestehen des Landesverbandes über die Entstehungsgeschichte: „... Dem Ausschuss des Deutschen Feuerwehrverbandes gehörte in späteren Jahren auch der Rechtsanwalt Theodor Colle in Glauchau an, wo seit 1863 eine Freiwillige Feuerwehr bestand. Dieser Mann ist es nun, der es in Gemäßheit des Beschlusses des Augsburger Feuerwehrtages von 1862, in allen einzelnen deutschen Staaten die bestehenden Feuerwehren zu gemeinsamen Landesfeuerwehrtagen zusammenzurufen, mit größtem Eifer versuchte, die sächsischen Wehren zu einem Ganzen zusammenzuschweißen." Freilich, leicht scheint ihm diese Arbeit nicht geworden zu sein.

Am 12. und 13. Dezember 1863 berief Golle die sächsischen Wehren zu einer Versammlung nach Glauchau, aber leider konnte damals nicht die ganze Arbeit geschafft werden. Man unterhielt sich wohl über Spritzen- und Schlauchwesen und Organisation der Feuerwehr, wählte auch einen aus den Herren Golle - Glauchau, Thost - Leipzig, Bressel - Freiberg, Buddenberg - Zittau und Vogelsang -Annaberg bestehenden Landesausschuss, aber und das war die Hauptsache zur Konstituierung eines Landesverbandes kam man bei der damals schon herrschenden deutschen Gründlichkeit noch nicht.

Allerdings dauerte es bis zum 27. November 1864, ehe der Ausschuss wieder zusammentrat. Im Dresdener Belvedere trafen sich 68 stimmberechtigte Vertreter der Feuerwehren. Außerdem sollen sehr viele Feuerwehrmänner zur Stelle gewesen sein. Aber das Hauptziel, die Gründung eines Landesverbandes, rückte wieder in den Hintergrund, da man sich mit Dingen beschäftigte, die weniger grundsätzlichen Charakter hatten.


Aber lassen wir noch einmal Frank in seiner Festrede zu Wort kommen: „... und es bedurfte sichtlich der größten Anstrengungen seitens Golle, um das gesteckte Ziel zu erreichen. Endlich, am 12., 13. und 14. Juni 1869 fand eine erneute Tagung in Chemnitz statt, auf der 86 Wehren vertreten waren, endlich konstituierte man sich auch als Landesverband, gab sich Statuten und wählte in den Landesausschuss die Herren Golle als Vorsitzenden, Vogelsang für den Lausitzer Kreis, Ritz für den Dresdener Kreis, Illgen für Leipziger Kreis, Weigand für den erzgebirgischen Kreis und Metzner-Gera - die Ostthüringer gingen zunächst mit den Sachsen - für den vogtländischen Kreis. Der Landesverband Sächsischer Feuerwehren war gegründet."

 

Die Gründung des Bezirksverbandes Freiwilliger Feuerwehren der Amtshauptmannschaft Bautzen

Auf dem Gebiet der damaligen Amtshauptmannschaft Bautzen wurden 1866 als erste die Freiwilligen Feuerwehren Bautzen und Bischofswerda gegründet. Die Gründung der anderen Wehren erfolgte zu einem späteren Zeitpunkt.
Allerdings muss an dieser Stelle angemerkt werden, dass eine ganze Reihe von freiwilligen Feuerwehren in der Amtshauptmannschaft Bautzen dem 1873 gegründeten Oberlausitzer Gebirgsgauverband Freiwilliger Feuerwehren angehörte. Die Zusammenlegung der beiden Verbände erfolgte erst 1937 auf dem 26. Sächsischen Feuerwehrtag in Löbau.

1874 regten die Freiwilligen Feuerwehren von Hainewalde, Olbersdorf und Jonsdorf an, die Wehren der Sächsischen Oberlausitz zu einem Kreisverband zusammenzuschließen.


Ziel war es, die Ausbildung und Organisation des Feuerwehrwesens innerhalb der Kreisdirektion Bautzen zu vereinheitlichen sowie einen Interessenvertreter in den Landesausschuss zu entsenden. Unter dem Vorsitz des Kommandanten der FF Großschönau, Karl Wenzel, später unter Leitung des Branddirektors Buddeberg - Zittau fanden Besprechungen mit Vertretern von verschiedenen Oberlausitzer Feuerwehren statt.


Der erste Verbandstag für die Kreisdirektion Bautzen fand am 18. Juli 1875 in Löbau im Gasthaus „Zum goldenen Schiff“ unter dem Vorsitz von Stadtrat Blume statt. Damit war der Verband (in den Quellen teils als Bezirks- und teils als Kreisverband bezeichnet) gegründet.


Die Wehren von Bischofswerda und Neukirch waren die ersten, die bereits zur Gründung dem Verband beigetreten sind.

Der Gesamtvorstand setzte sich aus folgenden Kameraden zusammen:

  • Stadtrat Blume, Kommandant der Freiw. Feuerwehr Löbau, als Vorsitzender,

  • Branddirektor Buddeberg - Zittau als stellvertretender Vorsitzender,

  • Kommandant Hauptmann - Panschwitz,

  • Ortsfeuerlöschdirektor Tempel - Obercunnersdorf und

  • Kommandant Lehmann - Bischofswerda.

 

Bei der Zusammensetzung der Verbandsleitung ließ man sich von dem Grundsatz leiten, daß je ein Vorstandsmitglied aus den vier Amtshauptmannschaften Zittau, Löbau, Bautzen und Kamenz zu wählen sei - bei der Wahl des fünften Vorstandsmitgliedes gab es jedoch keine Einschränkung.

Der Kreishauptmann richtete an den Vorstand des Kreisvereins Oberlausitzer Feuerwehren ein Schreiben, dessen Inhalt wir hier wiedergeben wollen:

Indem ich dem Vorstande des Kreisvereins Lausitzer Feuerwehren für die unter dem 21. vorigen Monats an mich gelangte Mitteilung derjenigen Anträge und Vorschläge, welche die Verbesserung des Feuerlöschwesens in den Gemeinden der hiesigen Provinz betreffen, und deren durchgängige auf vielfachen praktischen Erfahrungen begründete Zweckmäßigkeit anzuerkennen ist, meinen Dank ausspreche, bemerke ich zugleich, dass ich hiervon gern Anlass genommen habe, den Bezirksamtshauptmannschaften die tunlichste Förderung dieser Anträge und Vorschläge ganz besonders zu empfehlen.

Bautzen, am 3. Dezember 1875

Der Königliche Kreishauptmann von Beust

Die Königlichen Amtshauptmannschaften erließen an die Ortspolizeibehörden Verfügungen, die beinhalteten, die in ihren Gemeindebezirken vorhandenen Feuerlöschgerätschaften und Löscheinrichtungen nach einem bestimmten Schema zu organisieren. Die meisten Oberlausitzer Wehren, sofern sie nicht bereits dem 1873 gegründeten „Oberlausitzer Gebirgsgauverband" angehörten, traten dem Verband bei. Die Verbandswehren entfalteten eine rege Tätigkeit, um im Bezirk der Königlichen Kreishauptmannschaft Bautzen das Feuerwehrwesen einheitlich zu gestalten und die Wirksamkeit zu verbessern.
Eine deutliche Verringerung der Brandschäden konnte alsbald festgestellt werden.

Aufgrund einer Empfehlung des Landesausschusses, die sächsischen Bezirksverbände nach Amtshauptmannschaften abzugrenzen, traten im Jahre 1880 die zu den Amtshauptmannschaften Kamenz und Zittau gehörenden Wehren aus dem Verband aus, um eigene Bezirksverbände zu gründen. Die freiwilligen Feuerwehren der zwei Amtshauptmannschaften Bautzen und Löbau blieben unter der Bezeichnung „Bezirksverband Lausitzer Feuerwehren" weiterhin bestehen.

Jährlich wurden abwechselnd in den Amtshauptmannschaften Bautzen und Löbau Verbandstage durchgeführt, die sich einer regen Beteiligung erfreuten. Der erste Verbandstag fand, wie bereits erwähnt, 1875 in Löbau, der 25. am 12. und 13. August 1899 in Bautzen statt. Auf dem 39. Verbandstag, der am 28. Juni 191 3 in Coda stattfand, erfolgte die Trennung des bisherigen Lausitzer Bezirks- Feuerwehr-Verbandes nach Amtshauptmannschaften. Von diesem Zeitpunkt an führte der Verband den Namen Bezirksfeuerwehr-Verband der Amtshauptmannschaft Bautzen.

Um eine bessere und einheitliche Ausbildung zu gewährleisten, wurde der Verband in drei Bezirke unterteilt.
 

  1. Bezirk: Bischofswerda mit 22 Wehren. Leiter: Fischer, Bischofswerda (seit 1911). 

  2. Bezirk: Bautzen mit 29 Wehren. Leiter: Kasper, Hainitz (seit 1926).

  3. Bezirk: Crosta-Adolfshütte mit 28 Wehren. Leiter: Schubert, Neschwitz (seit 1925).

 

Der Verband führte in eigener Regie mehrere Führer-, Samariter- und Elektrikerkurse durch. Außerdem organisierte der Verband Kurse für Signalisten - Funkgeräte gab es zu dieser Zeit bei den Feuerwehren noch nicht, um eine einheitliche Signalgebung durchzusetzen.
An den auf Initiative des Landesverbandes Sächsischer Feuerwehren 1898 und 1908 in Chemnitz durchgeführten Führerkursen nahmen sieben bzw. fünf Kameraden teil.
Auf Anregung des Sächsischen Landesverbandes widmete man dem Aufbau des Samariterdienstes innerhalb der Wehren große Aufmerksamkeit. Besonders Kamerad Friedrich August Docke von der Freiwilligen Feuerwehr Oberoderwitz entwickelte um 1888 eine rege Tätigkeit, um den Sanitätsdienst innerhalb der Verbandswehren aufzubauen. Aus seiner Feder stammt auch das Handbuch „Das Samariterwesen im Feuerlöschdienst".

Mit der Bildung von fünf Samaritersektionen in Bautzen, Bischofswerda, Ebersbach, Oberoderwitz und Löbau nahm das Samariterwesen rasch den gewünschten Aufschwung. Ärzte unterstützen die Samariter, indem sie ehrenamtlich die Ausbildung übernahmen. Betreuender Arzt im Kreisverband, Ausbilder der Feuerwehr-Samariter und Leiter des Sanitätszuges der Freiwilligen Feuerwehr Bautzen war Dr. med. Johannes Witt.

Im August 1914 sollte der 20. Sächsische Feuerwehrtag in Bautzen abgehalten und dafür der Bezirks- Verbandstag in kleinem Rahmen durchgeführt werden. Durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges fielen diese Veranstaltungen zunächst weg. Der 20. Sächsische Feuerwehrtag konnte jedoch mit einem Jahr Verspätung am 19. September l 91 5 nachgeholt werden. Ob während des Krieges auch ein Bezirks-Verbandstag abgehalten wurde, geht aus dem vorhandenen Quellenmaterial nicht hervor - es ist aber eher unwahrscheinlich. Zahlreiche Kameraden mussten die Feuerwehruniform mit des „Kaisers Rock" vertauschen und in den Krieg ziehen. Viele von ihnen kamen in den Stahlgewittern der mörderischen Materialschlachten um und blieben für immer in fremder Erde.

Die erste Hauptleutetagung nach dem Ersten Weltkrieg fand am 4. Mai 1919 im Bautzener „Bürgergarten" statt. Auf dieser Tagung wurde der Vorstand neu gewählt und Guido Reiche als 1. Vorsitzender bestätigt, der seit 1885 bis zu seinem Tode am 13. Oktober 1925 - volle 40 Jahre - diese Funktion inne hatte. Außerdem bekleidete Kamerad Reiche von 1916 bis 1923 das Amt des 1. Vorsitzenden des Landesverbandes Sächsischer Feuerwehren.

Der erste Verbandstag nach dem Krieg, also der 40., wurde am 21. Juni 1921 in Malschwitz ausgerichtet. Von diesem Zeitpunkt an erfolgten die Verbandstage, bis zur Auflösung des Verbandes durch die Nationalsozialisten, wieder regelmäßig.
Der Verband kümmerte sich nicht nur um technische und organisatorische Dinge sowie die Ausbildung, sondern auch um soziale Belange der Feuerwehrkameraden. Anlässlich des Verbandstages in Frankenthal am 21. Mai l 927 erfolgte die Gründung der Lamprecht-Sterbekasse. Zunächst durften nur aktive Kameraden in diese Sterbekasse aufgenommen werden, später konnten auch Frauen die Mitgliedschaft erwerben. Im Todesfall bezahlte die Kasse 300,-Reichsmark. Am 1. Juni 1935 gehörten 2560 Männer und 1670 Frauen der Sterbekasse an.

1935 bestanden in Sachsen 1218 Feuerwehren mit einem Personalbestand von 62.342 Mann. Davon waren 1040 Freiwillige Feuerwehren, 154 Freiwillige Fabrikfeuerwehren, 19 Organisierte Pflichtfeuerwehren, 5 Berufsfeuerwehren und 1 Berufsfeuerwehrwache. Im gesamten Deutschen Reich existierten zu dieser Zeit 35.910 Feuerwehren mit einer Stärke von 1.786.384 Mann.

Auf dem 26. Sächsischen Feuerwehrtag, der 1937 in Löbau stattfand, erfolgte die Zusammenlegung des Bezirksverbandes Freiwilliger Feuerwehren der Amtshauptmannschaft Bautzen mit dem Oberlausitzer Gebirgsgauverband Freiwilliger Feuerwehren zum Kreisfeuerwehrverband Bautzen. In der NS-Zeit verschwand die Bezeichnung Verbandsvorsitzender aus dem Sprachgebrauch der Feuerwehren, es wurde der Kreisfeuerwehrführer daraus, dem die Wehrführer (vormals Hauptleute oder Kommandanten) nachgeordnet waren.
Wie in anderen Lebensbereichen, setzten die Nationalsozialisten im Zuge der „Gleichschaltung" auch im Feuerwehrwesen das straffe „Führerprinzip" durch. Mit dem Gesetz über das Feuerschutzwesen vom 23. November 1938 wurde den Feuerwehren ihre Eigenständigkeit genommen. Sie erhielten den Status von Hilfspolizeitruppen.


Im Jahre 1943 wurden die Feuerwehren der SS-Gerichtsbarkeit unterstellt. Die Feuerwehren des Kreises Bautzen mussten geschlossen auf dem Sportplatz von Sohland/Spree antreten, um sich diesem Procedere zu unterziehen.

In den Jahren 1938 / 39 löste das NS-Regime die Landes- und Kreisfeuerwehrverbände auf- das Vermögen der Verbände fiel an das „Reich". Es folgte eine mehr als 50jährige verbandslose Zeit.

 

Die Neugründung des Kreisfeuerwehrverbandes

Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches 1945 war eine Neugründung von Landes- und Kreisfeuerwehrverbänden in der sowjetischen Besatzungszone und später in der DDR, wie dies in den drei westlichen Besatzungszonen der Fall war, unmöglich. Die sowjetischen Besatzungs- und später die DDR-Behörden fürchteten eine mögliche Opposition einer derart mitgliederstarken Organisation. Obwohl unter den herrschenden Bedingungen Verbandsbildungen nicht möglich waren, pflegten die Feuerwehren Kontakte untereinander, nicht nur zu den Nachbarwehren. Und eine interne Studie des Zentralkomitees der SED musste in den achtziger Jahren konstatieren, dass die Feuerwehren besonders in den ländlichen Gemeinden die eigentlichen gesellschaftlichen Mittelpunkte bildeten.

Erst mit der politischen Wende 1989/90 in der damaligen DDR waren die Bedingungen für einen Neubeginn gegeben.


Es gab Bestrebungen seitens der Hauptabteilung Feuerwehr im Ministerium des Innern der DDR, einen „Nationalen Feuerwehrverband der DDR" zu bilden. Aber dieses Vorhaben wurde, wie wir heute wissen, von der allgemeinen Entwicklung überholt.
Im Kreis Bautzen bildete sich zu Beginn des Jahres 1990 ein 15 köpfiges Vorbereitungskomitee, das den Weg für eine Neugründung des Kreisfeuerwehrverbandes (KFV) Bautzen ebnen und einen Satzungsentwurf erarbeiten sollte. Bei der Erarbeitung des Satzungsentwurfes gaben Kameraden aus Baden-Württemberg uneigennützige Unterstützung. Einige Überzeugungsarbeit musste geleistet werden, denn nach der über 50jährigen verbandslosen Zeit waren nicht alle Kameraden von der Notwendigkeit einer Verbandsgründung überzeugt. Das zentralistische System in der DDR hatte doch einige Spuren hinterlassen.

Alle Hindernisse konnten jedoch überwunden werden, und am 22. April 1990 versammelten sich die Abordnungen der Feuerwehren des Altkreises Bautzen im Hörsaal der heutigen Landespolizeischule zur Neugründung des Kreisfeuerwehrverbandes Bautzen und zur Wahl des Vorstandes. An dieser Veranstaltung nahmen auch einige Kameraden aus Baden-Württemberg teil, die unseren in der Verbandsarbeit noch unerfahrenen Kameraden einige Ratschläge mit auf den Weg geben konnten. Die Wahl des vierköpfigen Vorstandes erfolgte - erstmals seit mehr als 50 Jahren- in freier und geheimer Wahl.

In den Vorstand gewählt wurden:

Ralf Löwe, Bautzen - Vorsitzender
Manfred Pethran, Bautzen - Stellvertreter des Vorsitzenden
Hans-Helmut Rothbart, Bautzen - Kassenwart
Bernd Wucke, Wilthen/O.L. – Pressesprecher

Am 26. Deutschen Feuerwehrtag in Friedrichshafen am Bodensee, dem ersten gesamtdeutschen seit 1932, nahm auch eine Abordnung unseres Kreisfeuerwehrverbandes teil. Ebenfalls durch eine Delegation vertreten war unser Kreisverband bei der Gründung des Landesfeuerwehrverbandes Sachsen am 29. September 1990 in Chemnitz.

 

Quelle:

Broschüre "Die Feuerwehren im Landkreis Bautzen"